Diese Anleitung zeigt, wie Sie ein neues Projekt in ZEISS INSPECT 2025 erstellen, Messparameter konfigurieren, einen 3D-Scan durchführen. Ziel ist es, ein physisches Bauteil (z. B. ein Zahnrad) optisch zu erfassen.
Werkzeug und Zubehör für den Atos Q finden sich in dem Rollschrank am Schreibtisch des Atos Q. Unbedingt wieder aufräumen! Weiteres Zubehör wie andere Linsen oder Kalibrierobjekte sollten nur von erfahrenen Nutzern verwendet werden.
Messobjekt vorbereiten
Das Messobjekt mit Mattierungsspray zu beschichten ist in vielen Fällen sinnvoll. Meist reduziert sich dadurch die Belichtungszeit und es kann auf Verwendungen mehrerer Verschiedener Belichtungszeiten verzichtet werden. Somit reduziert sich die Aufnahmezeit sehr deutlich bei Verwendung von Mattierungsspray. Die Qualität der Aufnahme wird dadurch ebenfalls verbessert (da Reflektionen vermieden werden).
Wenn absehbar ist, dass Mattierungsspray verwendet werden soll, ist es sinnvoll das zu Beginn zu machen, damit die Referenzpunkte nicht verdeckt werden.
Indikatoren für Verwendung von Mattierungsspray sind:
stark reflektierende Oberflächen, sehr dunkle Oberflächen, stark verschieden helle Oberflächen und wenn Reste des Mattierungssprays auf dem Messobjekt akzeptabel sind (Entfernung in komplexen Geometrien schwierig -> evtl. mit Ultraschallbad)
Das Mattierungsspray ist zunächst transparent. Warten sie ca. 30 Sekunden bis das Spray weiß wird. Sprühen sie nicht direkt eine weitere Schicht auf. Achten sie auf gleichmäßigen Auftrag.
Es müssen aus jeder Perspektive mindestens 4 Punkte durch beide Kameras erfasst werden können, besser ein paar mehr
Die Referenzpunkte sollten möglichst zufällig verteilt sein: nicht auf einer Linie, einem Kreis oder einer Ebene
Die Referenzpunkte sollten in einem Abstand von mindestens dem 3 fachen Durchmesser zueinander angebracht werden
Prüfen sie sorgfältig vor Start der Messung ob die Referenzpunkte gut und in ausreichender Anzahl angebracht sind. Wenn nach einigen Aufnahmen auffällt das in einem Bereich zu wenige Referenzpunkte geklebt wurden, würde das Kleben zusätzlicher Referenzpunkte zu Fehlern führen. In diesem Fall müsste die gesamte Messung wiederholt werden
Die Referenzpunkte können auf kontinuierlich gekrümmte Oberflächen aufgeklebt werden. (Aber nicht über Kanten geknickt werden)
Zum Aufbringen der Referenzpunkt kann die dafür vorgesehene Pinzette verwendet werden
Projekt erstellen und Messbereich einrichten
Zeiss inspect wird über die Zeiss quality suite geöffnet. Stellen Sie sicher, dass Sie mit der korrekten Jahreslizenz (z. B. ZEISS INSPECT 2025) arbeiten.
Belichtungszeit einstellen
Wenn es Probleme beim Einstellen der Belichtungszeit gibt, ist es oft hilfreich Mattierungsspray zu verwenden (siehe Schritt 1)
Ansonsten lassen sich passende Einstellungen oft nur durch durchtesten der verschiedenen Einstellungen finden
Messparameter konfigurieren und scannen
Sobald die Belichtung korrekt eingestellt ist, können Sie den kinematischen Scanablauf parametrieren.
Wenn die Kinematik nicht verwendet werden soll (beispielsweise weil das Messobjekt zu groß ist) können Aufnahmen durch betätigen der Leertaste gemacht werden. Zwischen den Aufnahmen muss das Messobjekt manuell bewegt werden, die Aufnahmen werden automatisch kombiniert. Vermeiden sie zu weite Bewegungen zwischen zwei Aufnahmen, damit Referenzpunkte und charakteristische Elemente zugeordnet werden können. Referenzpunkte müssen in den meisten Fällen auf das Messobjekt oder mit dem Messobjekt bewegte Teile geklebt werden.
Es kann sinnvoll sein bei einmaligen Messungen auf die Kinematik zu verzichten, da der 3D-Scan live mitentwickelt wird und man die nächste Aufnahme daran anpassen kann, wo noch Teile des Messobjektes fehlen.
Überlegen sie sich wie die Kinematik und ihre Rotationsachsen zur Kamera ausgerichtet sein müssen. Die Kinematik kann verschoben werden und muss im Regelfall nicht festgeschraubt werden
Der Fokuspunkt der beiden Kameras sollte bei allen Aufnahmen möglichst nah am Messobjekt liegen. Der Fokus kann über die beiden Laserstrahlen gefunden werden (kann oben rechts in Zeiss Inspect aktiviert werden)
Sie können den Fortschritt live in der Kameraansicht verfolgen. Sobald die automatische Sequenz abgeschlossen ist, überprüfen Sie den ersten Scan.
In den meisten Fällen ergibt es Sinn hinter einer Ebene zu schneiden. Dazu eine Ebene durch drei Punkte definieren und den Versatz zu der definierten Ebene angeben.
Für die Anleitung um erstellte Scans zu vermessen, können sie folgenden Guide verwenden:
FAQ
Q: Was passiert, wenn nicht genügend Referenzpunkte auf dem Bauteil erkannt werden?
A: Das System wird eine entsprechende Fehlermeldung ausgeben, da die räumliche Orientierung der Scans fehlschlägt. Kleben Sie in diesem Fall zusätzliche Referenzpunktmarken auf das Bauteil oder den Hintergrund (z. B. Drehtisch) auf und starten Sie die Belichtungseinstellung neu.
Q: Kann ich Messungen durchführen, ohne eine komplette Rotationssequenz abzuwarten?
A: Ja. Sie können durch das Drücken der Leertaste unabhängig von den eingestellten Schwenkschritten exakt einen manuellen Einzelscan auslösen.
Q: Ich habe den Notaus betätigt, was muss ich jetzt tun?
A: Die Kinematik kann nun erstmal nicht verfahren werden. Schließen sie Zeiss Inspect und betätigen sie die grüne Taste "Start" an der physischen Steuereinheit des Atos Q, die sich unten in der Zelle des Atos Q befindet. Danach wird eine Referenzfahrt ausgeführt und das System ist wieder wie gewohnt nutzbar.
Glossar
Begriff | Definition |
|---|
Referenzpunkte | Reflektierende Klebemarken, die vom optischen Scanner erkannt werden, um mehrere Aufnahmen räumlich präzise in einem gemeinsamen Netz (Mesh) zu vereinen. |
Schwenkschritte | Die vom Anwender parametrierte Anzahl an automatischen Stopps, die ein kinematischer Drehtisch während einer vollen Rotation ausführt, um aus verschiedenen Winkeln zu scannen. |
Vorausrichtung | Der erste, grobe mathematische Best-Fit-Abgleich zwischen den digitalisierten Scandaten (Ist) und den importierten Konstruktionsdaten (Soll). |